Was du brauchst
- Ein Handy mit Kamera und Lagesensoren
- Freie Sicht auf die Sonne, mindestens 5° über dem Horizont
- Deinen Standort – GPS oder die nächste Stadt genügt
- SunCompass im Browser, keine Installation nötig
1Drei Wege zur Himmelsrichtung
Kompass-App: Der Magnetsensor misst das Erdmagnetfeld, das Betriebssystem rechnet daraus mit dem Lagesensor eine Richtung. Das geht sofort und überall – solange nichts das Magnetfeld verbiegt.
Karten-App: Der Blickrichtungskegel auf der Karte stammt vom selben Magnetsensor und hat dieselben Schwächen. Nur wenn du gehst oder fährst, zeigt die Karte die Bewegungsrichtung aus den GPS-Positionen – im Stehen hilft das nicht.
Die Sonne: Ihre Richtung ist für jeden Ort und jede Uhrzeit berechenbar, und zwar bezogen auf den geografischen Nordpol. Wer die Sonne anpeilt und ihre berechnete Richtung kennt, kennt echtes Nord – unabhängig von jedem Magnetfeld. Genau das macht SunCompass.
2Warum der Handykompass danebenliegt: Missweisung und Deviation
Missweisung (Deklination) heißt der Winkel zwischen magnetisch und geografisch Nord. Er ist bekannt und wird mit dem World Magnetic Model 2025 (WMM2025) von NOAA/NCEI und British Geological Survey berechnet; in Deutschland beträgt er 2026 zwischen gut 3° Ost im Westen und knapp 5,5° Ost im Osten. SunCompass rechnet ihn für deinen Standort heraus.
Deviation heißt die Ablenkung durch Eisen, Stahl und Magnete in der Nähe des Kompasses – der Begriff stammt aus der Seefahrt, wo der Schiffsrumpf selbst die Nadel ablenkt. Kein Modell kennt sie. Das World Magnetic Model beschreibt ausdrücklich nur das Hauptfeld der Erde; schon natürliche Anomalien der Erdkruste erreichen laut NOAA stellenweise mehr als 10°, von Menschen gemachte Störungen sind gar nicht erfasst.
Wie schnell die Deviation groß wird, zeigt eine einfache Rechnung. Ein Kompass richtet sich nach dem waagerechten Anteil des Erdmagnetfelds, und der ist schwach: in Deutschland laut World Magnetic Model rund 18 Mikrotesla in Hamburg und 21 in München. Ein Störfeld quer dazu dreht die Anzeige um arctan(Störfeld ÷ Horizontalfeld). Schon 3,5 Mikrotesla ergeben 10°, 11,5 Mikrotesla 30° – Feldstärken, wie sie nahe an Stahlträgern, Lautsprechermagneten oder einer Magnethülle leicht auftreten.
| Störfeld | Ablenkung der Anzeige |
|---|---|
| 1 µT | 2,9° |
| 3,5 µT | 9,9° |
| 7 µT | 19,3° |
| 11,5 µT | 29,9° |
3Himmelsrichtung mit SunCompass bestimmen
Öffne SunCompass im Browser und erlaube den Standort. Der Kompass läuft sofort mit dem Magnetsensor, um die Missweisung korrigiert. Eine Zeile an der Rose sagt, worauf sich die Anzeige gerade stützt.
Tippe auf „Sonne anpeilen“. Die Kamera öffnet sich mit einem Fadenkreuz und einer Linie auf der Höhe, in der die Sonne gerade steht. Schwenke das Handy auf diese Höhe, bis „Höhe passt“ erscheint, dann seitlich auf die Sonne, und tippe „Sonne anvisiert“.
Mit „Zum Kompass“ geht es zurück zur Rose. Sie zeigt jetzt echtes Nord und läuft über den Kreisel des Handys weiter, ohne Magnetfeld. Weicht der Magnetsensor ab 3° davon ab, nennt SunCompass die Abweichung – so siehst du, wie stark die Umgebung stört.
Der Kreisel driftet langsam. Nach etwa zehn Minuten erinnert SunCompass an ein neues Anpeilen. Mit dem Magnetkompass hältst du das Handy flach; nach dem Anpeilen zeigt der Kompass in jeder Haltung.
4Wofür das nützt
Satellitenschüssel am Stahlmast: Der Soll-Azimut für den Satelliten kommt aus dem SatFinder. Mit dem Magnetkompass direkt am Mast peilt man leicht 20° daneben – mehr, als die Schüssel verzeiht. Mit der Sonnenpeilung stimmt die Richtung auch am Mast.
Photovoltaik und Balkonkraftwerk: Die Ausrichtung eines Dachs oder Moduls auf wenige Grad prüfen, auch zwischen Regenrinne, Geländer und Aufständerung. Was die Ausrichtung am Ertrag ausmacht, rechnet der SolarFinder.
Wandern und Outdoor: Die Himmelsrichtung bestimmen, wenn der Handykompass nicht kalibriert ist oder springt – ohne Netz, sobald die Seite einmal geladen ist.
Wohnmobil und Camping: In und an einer Karosserie aus Blech ist ein Magnetkompass stark gestört. Die Sonne zeigt dir die Richtung für Sat-Antenne und Solarmodul trotzdem.
5Grenzen: Nacht, Wolken, Sonne im Zenit
Nachts und bei geschlossener Wolkendecke fehlt die Sonne als Bezug; dann bleibt der Magnetkompass. Unter 5° Höhe lässt SunCompass nicht anpeilen, weil Häuser und Bäume die Sonne verdecken und ihr Azimut dicht am Horizont schnell wandert.
Steht die Sonne sehr hoch, wird das Anpeilen ungenau: Ein seitlicher Zielfehler wird in der Richtung um den Faktor 1 ÷ cos(Sonnenhöhe) größer. In Mitteleuropa steht die Sonne höchstens gut 66° hoch, der Faktor bleibt unter 2,5. In den Tropen, wo die Sonne mittags nahe dem Zenit steht, peilst du besser am Vormittag oder Nachmittag.
Der Standort muss nicht genau sein, aber stimmen: Etwa 10 km genau reicht. Liegt er 100 km daneben, verschiebt sich die Sonnenrichtung in Mitteleuropa um 1 bis 3°, am stärksten mittags im Sommer.
| Sonnenhöhe | Richtungsfehler |
|---|---|
| 20° | 1,1° |
| 40° | 1,3° |
| 60° | 2,0° |
| 70° | 2,9° |
| 80° | 5,8° |
6Ohne Handy: Schattenstab und Uhr
Schattenstab: Steck einen Stab senkrecht in den Boden und markiere die Spitze seines Schattens. Warte 15 bis 30 Minuten und markiere sie erneut. Die Linie von der ersten zur zweiten Marke zeigt ungefähr von West nach Ost, denn die Sonne wandert nach Westen und der Schatten nach Osten. Um die Mittagszeit und im Frühjahr und Herbst ist die Methode am genauesten.
Uhr-Methode: Den Stundenzeiger einer Zeigeruhr auf die Sonne richten; Süden liegt auf der Nordhalbkugel etwa in der Mitte zwischen Stundenzeiger und der 12, im Sommer zwischen Stundenzeiger und der 1. Das ist grob: Längengrad in der Zeitzone, Zeitgleichung und die schräge Sonnenbahn machen leicht 10 bis 20° Fehler aus.
Beide Methoden taugen für die grobe Orientierung beim Wandern. Für eine Satellitenschüssel oder die Ausrichtung eines Solarmoduls sind sie zu ungenau.
Häufige Fragen
Kann ein Handy ohne Magnetfeld Norden finden?
Ja, mit der Sonne: Ihre Richtung ist für Ort und Uhrzeit berechenbar. SunCompass lässt dich die Sonne einmal mit der Kamera anpeilen und kennt damit echtes Nord; danach führt der Kreisel die Richtung weiter, ohne Magnetsensor.
Was ist der Unterschied zwischen Missweisung und Deviation?
Die Missweisung ist der Winkel zwischen magnetisch und geografisch Nord am Ort – bekannt, aus dem World Magnetic Model berechenbar, in Deutschland 2026 rund 3 bis 5,5° Ost. Die Deviation ist die Ablenkung durch Eisen und Magnete in der Nähe des Kompasses – unbekannt und oft größer, neben Stahl 10 bis 30°.
Hilft es, den Handykompass zu kalibrieren?
Gegen Störungen im Handy selbst ja, dafür ist die Acht-Bewegung da. Gegen Metall in der Umgebung nicht: Der Stahlmast verbiegt das Magnetfeld am Ort des Handys, und das misst der Sensor korrekt mit.
Brauche ich dafür eine App aus dem Store?
Nein. SunCompass läuft im Browser. Wer ihn griffbereit haben will, legt ihn auf den Homescreen: am iPhone über Teilen › „Zum Home-Bildschirm“, bei Android über das Menü › „App installieren“. Danach startet er wie eine App und funktioniert auch ohne Netz.